Am Anfang war das Wort!? Geredet und diskutiert
wird dauernd und viel. Nicht selten viel
zu viel. Gelegentlich aber auch viel zu wenig,
Ärzte sprechen dann von einer "leeren" Anamnese.
Die Sprache wurde nach Talleyrand
den Menschen gegeben, damit sie ihre Gedanken
und Gefühle verbergen können.
Außer der hörbar-digitalen Wortsprache gibt
es noch die spontane sichtbar-analoge Körpersprache.
Dazu zählt man neben Mimik, Gestik/
Motorik und Kopfhaltung/Gesamthaltung
auch den Klang der Stimme, das Raumverhalten,
das Blickmuster und autonome Signale,
wie das Erröten und die Pupillenweite. Beide
Kommunikationswege ergänzen sich. Es kommt nicht nur auf das WAS, sondern ebenso auf das WIE an. Man kann
nicht nicht kommunizieren (Watzlawick). Ein Blick, ein Schlenker mit der Hand, sagt oft mehr als tausend Worte!
Die Mimik ist vorallem mit emotionalen Vorgängen verbunden, das Blickverhalten mit Denkprozessen. Die Kopfhaltung
und -bewegung signalisiert die Zuwendung bzw. Abwendung zwischen Partnern. Schließlich stehen Gestik
und Sprache in enger Beziehung. Diese einzelnen Phänomene sind jeweils individuell akzentuiert, selten wird alles
eingesetzt.
Ob Augenzwinkern, Naserümpfen, verschränkte Arme, eine brüchige Stimme oder verschlungene Beine: Die Einzelsignale
sind oft mehrdeutig, sollten aber untereinander von Kopf bis Fuß und im Zusammenspiel mit der Wortsprache
authentisch ("stimmig") sein. Ein Wörterbuch der Körpersprache mit festen Interpretationen macht deshalb
kaum einen Sinn. Der durch dieses Buch geschulte aufmerksame Beobachter entdeckt sog. "Verwirrpakete", wo
eine Diskrepanz zwischen Gesagtem und Gemeintem besteht. Körpersprache ist immer auch als Wechselwirkung
mit dem Verhalten, von einem oder mehreren Partnern zusehen, also Aktion und Reaktion zugleich. Wichtig ist auch
die Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen und interkulturellen Unterschieden.
Von der Semiotik (Wissenschaft der Zeichen) ausgehend gibt Prof. Schober eine breitangelegte und erhellende
Übersicht über die Welt der Körpersprache (Kinesik). Neben soliden Grundlagen werden Zugänge zu Forschungsergebnissen
eröffnet und der aktive Leser ist aufgefordert anhand von 42 instruktiven Wahrnehmungs- und Ausdrucksexperimenten
seine Dialogfähigkeit zu überprüfen und zu verbessern.